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Tauber –Edition
Die Wiedervereinigung des Taubertals

Im Taubertal wird seit 1000 Jahren Wein angebaut. Gefragte Tropfen, die auf den berühmten Weinmärkten gehandelt wurden. Dann kam, wie anderswo auch, der Niedergang. Seit den 1990er Jahren geht es aufwärts. „Tauberwein“ soll wieder ein klingender Name werden – wie zum Beispiel Märkgräfler oder Kaiserstühler. Die Zugehörigkeit zu drei Anbaugebieten erleichtert das nicht gerade. Aber die Tauber-Edition, eine zündende Idee des Bad Mergentheimer Weinsachverständigen Otto Geisel zur Wiederherstellung der „Weineinheit Taubertal“, überwindet die Grenzen.

Von Fritz Richter

Wer in der Eingangshalle des Hauses der Geschichte in Stuttgart die Projektion der Südwestdeutschland-Karte vor der napoleonischen Neuordnung 1806 betrachtet, der kann sich die Verhältnisse im Taubergrund bestens vorstellen. Reichsstädte, Klöster, Stifte und Ordenskommende, mit eingesprengten ansbachischen, würzburgischen, kurmainzischen und kurpfälzischen Ämtern, sowie reichsunmittelbare gräfliche und fürstliche Herrschaftskonglomerate bildeten einen territorialen Flickenteppich. Mit einem Federstrich verteilte Napoleon das Gebiet an seine drei Rheinbundvasallen Bayern, Baden und Württemberg. Die Auswirkungen sind bis heute spürbar.

Der Taubergrund von Rothenburg ob der Tauber bis Wertheim am Main ist heute von drei deutschen Weinanbaugebieten und zwei europäischen Weinbauzonen zerschnitten. Am Oberlauf gehören Tauberzell und Röttingen zum bayrischen Anbaugebiet Franken, gefolgt vom Anbaugebiet Württemberg mit dem Bereich Kocher-Jagst-Tauber. Der ehemalige Bereich Badisches Frankenland, seit 1991 Tauberfranken, gehört mit dem Anbaugebiet Baden zur Weinbauzone B. Dort werden für die verschiedenen Güteklassen jeweils höhere Öchslegrade gefordert.

Die Touristikgemeinschaft „Liebliches Taubertal“ unter ihrem rührigen Geschäftsführer Jochen Müssig wirbt mit den sanften Hügeln, rebbestockten Weinbergen und bewaldeten Höhenzügen am Flusstal für diese alte Kulturlandschaft. Natürlich wird auch mit dem Tauberwein geworben. Und dazu hatte Otto Geisel, Hotelier und Gastronom des „Victoria“ in Bad Mergentheim 2001 eine zündende Idee. Der vereidigte Weinsachverständige schlug vor, mit der Tauber-Edition grenzübergreifend für den Tauberwein werben. „Ich kenne keinen besseren Botschafter als den Wein“, sagt er im Gespräch.

So wurde 2001 in Bad Mergentheim unter der Federführung von Müssig der Arbeitskreis Tauber-Edition gegründet, dem heute sieben private Weingüter und zwei Winzergenossenschaften angehören. Im Mittelalter war Mergentheim eine bekannte Weinhandelsstadt und der Tauberwein hatte einen so guten Ruf, dass er sogar in Strassburg gehandelt wurde. Das Kulturthema Wein eigne sich gut, für die Tauberregion zu werben, meint Geisel, der seit Frühjahr dieses Jahres auch Vorsitzender von Slow Food Deutschland ist, einer Organisation, die regionale Produkte von hoher Qualität fördert: Jenseits von Massentierhaltung, industrieller Agrarproduktion und Weinfabriken.

So haben sich die Mitglieder der Tauber-Edition unter der Anleitung von Otto Geisel und Jochen Müssig ein Wein-Reinheits-Gebot gegeben.. Es gelten strenge Anbau- und Ausbaukriterien. Sie gehen, angelehnt an alte Traditionen, über die gesetzlichen Vorschriften hinaus. Für die Weine der Tauber-Edition – das Mindestalter der Rebstöcke beträgt sieben Jahre - dürfen nur vollreife Trauben geerntet werden, und es gilt eine Mengenbegrenzung von 50 Hektolitern pro Hektar.

Im Weinberg sind Unkrautvertilgungsmittel verboten, und die Lese muss per Hand erfolgen, weil nur durch sie der optimale Reifezustand der Traube erkannt werden kann. Beim Ausbau der Weine der Tauber-Edition sind nur Hefe und Schwefel erlaubt. Die Abfüllung in Bocksbeutel – schon lange kein Merkmal für außergewöhnliche Qualität mehr – ist suspekt. Die Flaschen der Tauber-Edition mit ihren blauen Etiketten kommen im modernen Design daher.

Sowohl die Weißwein- als auch die Rotwein-Edition sind Cuvées aus den traditionellen Rebsorten des Taubertals: Silvaner, Riesling, Traminer, Weißburgunder, Grauburgunder, Müller-Thurgau, Tauberschwarz, Schwarzriesling und Spätburgunder. Der Ausbau als Cuvée erfolgt in Anlehnung an die Tradition des Mischsatzes. Früher wurden mehrere Rebsorten gemeinsam in einem Weinberg angebaut und nach der Lese gemeinsam zu Traubenmost gekeltert und vergoren. Eine Cuvée ist aber auch durch das Verschneiden der fertigen Weine möglich - eine Methode, die den Vorteil der besseren „Feineinstellung“ hat. Lediglich beim Rotling, eine Cuvée aus roten und weißen Trauben, muss zusammen gekeltert und vergoren werden. Die Badener kennen ihn noch als Badisch Rotgold.

Heraus kommen Weine von hervorragender Qualität. Sie sind gefragt, so dass uns Norbert Geier, Weingut Elisabeth und Norbert Geier, Königheim, von der Tauber-Edition 2006 nur ein Probierpaket mit fünf Cuvées verkaufen kann. Uns schmeckten die Weine vom Winzerhof Baumann, Dertingen (Grauer Burgunder und Silvaner), der Rotling des Tauberfränkischen Bocksbeutelkellers, Wertheim-Reicholzheim (Müller-Thurgau und Schwarzriesling), des ökologisch wirtschaftenden Weingutes Elisabeth und Norbert Geier (Müller-Thurgau und Silvaner) des Weingutes Poth , Röttingen ( Riesling, Silvaner und Traminer) und der Rote des Weingutes Schlör, Wertheim-Reicholzheim (Spätburgunder und Schwarzriesling) aus der Tauber-Edition 2005. Zur Tauber-Edition gehören noch die Becksteiner Winzer eG, Beckstein, das Weingut Engelhardt, Röttingen, das Weingut Hofmann, Röttingen, und der Winzerhof Stahl, Auernhofen.

Auf die Einhaltung der Qualität wird bei der gemeinsamen Weinbergsbesichtigung und bei den sensorischen Prüfungen geachtet. Zudem bürgt jeder Winzer mit seinem Ehrenwort. Unser Bild ist am 3. September entstanden als sich die Winzer der Tauber-Edition zur Weinbergskontrolle der Weine der sechsten Tauber-Edition 2007 getroffen haben. An der Weinbergsbesichtigung haben Gerald Poth und Udo Engelhardt, beide aus Röttingen, Martin Ries und Konrad Schlör, beide aus Reicholzheim, sowie Martin Baumann aus Werheim-Dertingen teilgenommen. Sie überprüften die Betriebe, die sich für die Tauber-Edition 2007 gemeldet hatten. Von den in die Tauber-Edition eingebundenen Betrieben haben nach der Weinbergsbesichtigung sechs Betriebe die Prüfung bestanden. „Dies belegt einmal mehr, wie exakt die Richtlinien eingehalten werden und welche strengen Vorgaben für die Tauber-Editions-Weine gelten“, erläuterte Jochen Müssig danach. Zwei Betriebe hatten die Höchstertragsmenge überschritten und ein Betrieb für 2007 keine Bewerbung für die Tauber-Edition abgegeben.

INFORMATION
Tauber-Edition
Landratsamt Main-Tauber- Kreis
Gartenstraße 1
Tel.: 09341/82294
FAX: 09341/82382


 
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